Ursprung unserer Familiennamen

Bis in`s 12. Jh. hat es fast nur einnamige Personen gegeben. Danach bilden sich Beinamen, die noch nicht unsere heutigen Familiennamen sein müssen, aus. Entscheidend forciert wird diese Entwicklung in den Städten, erst später setzt sie auch im ländlichen Bereich ein. 

Da immer mehr Personen den gleichen Rufnamen haben, ist eine Identifizierung schnell und zweifelsfrei nicht möglich. Dieser Mangel kann auch durch Einführung der christlichen Heiligennamen nicht ausgeglichen werden.

Mehr und mehr entwickleln sich die Beinamen zum wichtigsten Bestandteil des Namens und werden so zum Familiennamen. Die feste Zweinamigkeit hat sich bei uns im Münsterland relativ spät erst im 15./16. Jh. durchgesetzt.

Die Zweinamigkeit bewährt sich im täglichen Umgang. Bestimmte Personen lassen sich nun genauer und einfacher in ihrem gesellschaftlichen Umfeld unterscheiden. Doch nach welchen Kriterien werden die Zweitnamen, wohl eher willkürlich, vergeben ?

Im Wesentlichen kann man 4 Hauptgruppen der Namensursprünge feststellen:

  1. Familiennamen nach Rufnamen. (Heinrich, Dietrich, Warmbold)
  2. Familiennamen nach der Herkunft. (Böhm, Baier, Gescher)
  3. Familiennamen nach der Wohnstätte.(Wiesmann, Pohlmann, Sandmann)
  4. Familiennamen nach Beruf, Amt oder Stand. (Müller, Schmidt, Koch)

Nachfolgend einige Namen und deren Ursprungsdeutung aus unserer Familie. Nicht immer ist der Ursprung eindeutig. Zwei oder mehr Deutungen sind nicht selten möglich.

  KUNST

Es fällt auf, daß es den Namen Kunst in zwei Variationen gibt: KUNST und Kunz. Man möchte vielleicht meinen, daß beide Namen den gleichen Ursprung haben, dem ist aber nicht so.

Der Ursprung des Familiennamens Kunst ist aus dem Rufnamen lateinischen Ursprungs KONSTANTIN (der Standhafte) entstanden. Konstantin findet im Mittelalter als Name Kaiser Konstantins des Großen (3./4. Jh.) Verbreitung. Er wird verehrt weil der das Christentum im Römischen Reich öffentlich anerkannt und sehr gefördert hat.  

Kunz mit Z hat seinen Ursprung im deutschen Rufnamen Konrad ( (kuoni + rät ). Die einstige Volkstümlichkeit und weite Verbreitung läßt sich noch an der Formel  „Hinz und Kunz = jedermann“ erkennen.  Außerdem ist es im frühen Mittelalter eine spöttische Verballhornung von Kaiser Heinrich und Kaiser Konrad.

In den Kirchenregistern  von Coesfeld und Osterwick treffen wir vorwiegend die Schreibweise KUNST, ganz selten Kunz, an. Manchmal auch Const oder Kuhnst, man hat geschrieben wie der Bauer gesprochen hat, denn er konnte meist nicht schreiben. 

Der Name KUNST tritt vermehrt im Westen unsere Landes, auch in den Niederlanden, auf. Den Namen Kunz finden wir jedoch häufiger, wenn wir auf der Landkarte in Richtung Osten gehen.  

  SCHWERING

Der Name entspringt dem alten germanischen Vornamen SWEDER (Swider) durch Anhängen von „ing“. Dieser Vorname ist im gesamten Mittelalter zwischen Westfalen und Pommern sehr verbreitet.

  WESTERHOFF

Ein gutes Beispiel für die Kategorie Familiennamen nach Wohnstätten. Der Name WESTERHOFF geht mit Sicherheit auf einen gleichlautenden Hofnamen zurück.

  POHLMANN  

Auch hier dürfte die Wohnstätte im Namensursprung liegen. Pohl bedeutet im Mittelalter Pfuhl, Sumpf. (siehe auch „Poal“, Stämme die im Sumpf oder Wasser stehen und die Hütte vor Feuchtigkeit schützen). Also Menschen, die im Sumpf oder in sumpfiger Umgebung wohnen.

Denkbar jedoch ist auch eine Namensabwandlung des Namens Paul mit dem Anhang „man“.

  BÖCKERS

Ein Paradebeispiel für die Entwicklung des Familiennamens nach dem Beruf. BÖCKERS ist durch Zusammenziehung des Namens Bödecker entstanden. Den mittelalterlichen Handwerksberuf Bödecker (bodeker, bodiker) kennen wir heute als Böttcher. Ein Beruf der mehr und mehr ausstirbt, leider.  

  FICKER  

Der Ursprung des Namens Ficker ist weit unspektakulärer als man beim ersten Hinsehen meinen möchte. Gleichwohl gelegentlich auch mit der obszönen Bedeutung gerechnet ( lt. Kohlheim )  werden muss, dürfen wir diesen Ursprung guten Gewissens ausschließen. Dafür war der Name Ficker in den vergangen Jahrhunderten in unserer Region viel zu verbreitet. Man findet ihn in den Dörfern häufig. Außerdem ist dieser Ursprung in der älteren Literatur vor dem 16. Jh. überhaupt nicht belegt.

Ebenso dürfen wir einen Bezug zum Berufsnamen Fickler ( Hersteller kleiner Lederteile und Taschen, Beutelmacher ) vernachlässigen. Diese Berufsbezeichnung findet sich mehr im süddeutschen Raum, der Beruf ist in der hiesigen ländlichen Bevölkerung eher selten oder gar nicht anzutreffen. 

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der Name Ficker aus dem ursprünglich germanischen Namen Friederich entstanden, also Rufnamen bezogen. Dafür spricht sowohl die einstmalige Häufigkeit hier bei uns als auch die Verwandtschaft mit anderen Abkömmlingen von Friederich ( z. B. Frerick, auch mit "ick-Laut").

Wensing 

Dieser Name kommt besonders häufig in unserer Region zwischen Oberhausen und Münster vor. 1569 ist im Coesfelder Stadtarchiv ein "Ghert Wensinck" bezeugt.

Der Name ist die patronymische Bildung auf -ing zu einer Koseform von Werner. Der Rufname Wern(h)er war im Mittelalter sehr verbreitet. Er geht zurück auf den alten deutschen Namen Warinheri/Werinher ( warin + heri).